Indien - Hupen als Zukunftsmusik

Aktualisiert: 11. Dez 2019




Liste von Verkehrsteilnehmern in Indien:


- TukTuk

- Auto

- LKW

- Bus (normal)

- Bus (bunt)

- TukTuk

- Motorrad

- Fahrrad

- Einrad

- TukTuk

- Rikscha

- TukTuk

- Mensch

- Fliegende Händler

- Kuh

- Fliegende Kuh (evtl. Halluzination)

- Tuk

- Tuk

- Hund

- Pferd

- Pferd mit rosa Hufen (Hochzeit)

- Kamel

- Elefant (!)

- Wahnsinn



In Indien hat die Zukunft der Verkehrstechnik schon lange Einzug erhalten.

Auch wenn man als ordnungsbornierter Europäer zunächst einen anderen Eindruck bekommt und kaum anders kann als die klassischen drei Stadien der indischen Straßenerfahrung zu durchlaufen: ungläubiges Staunen, konstante Todesangst und schließlich einen leicht übermütigen Fatalismus. Am Anfang wischt man sich verwundert die Augen (vielleicht auch wegen des Staubs), als nächstes - besonders als Fußgänger - fragt man sich, wie man hier überleben soll und irgendwann erwischt man sich dann dabei, wie man mit einem irren Lachen auf eine fahrende Rikscha springt.



Tuk-Tuk-Tuk-Tuk-Tuk-Tuk……


Auf Indiens Straßen herrscht das beliebte Credo schlechter Actionfilme - die einzige Regel ist: Es gibt keine Regel! Alle fahren immer. Jeder Nanometer freien Platzes zum Vorder-, Seit- und Hintermann/frau/kuh wird maximal und sekundenbruchteilschnell ausgenutzt, um in Bewegung zu bleiben. Verkehrspolizisten sind hier tragische Gestalten, wandelnde Witze, uniformierte Sisyphosse. Träge stehen sie in der Hitze, fuchteln ab und an halbgar mit einem Arm, selbst nicht daran glaubend, dass es irgendjemanden interessiere. Warum auch? Ampeln, Schilder, egal. Alle drängen und zwängen sich voran, gleich Murmeln in einem Trichter und eine nach dem anderen flutscht tatsächlich vorwärts. Man wäre geneigt zu denken: „aber eine Regel, an die sich alle halten, gibt es doch: den Linksverkehr“. Weit gefehlt! Dieser wird hier eher als Empfehlung interpretiert. Wenn es sich links staut, schaut man als Tuktuk- oder Motorradfahrer, ja, sogar als Autofahrer, auch gern mal ob es rechts nicht doch etwas schneller geht. Durch den Gegenverkehr. Ohne mit der Wimper zu zucken. Hupend.


Womit wir beim wohl wichtigsten aller Charakteristika des indischen Straßenverkehrs angekommen sind: dem Hupen. Alle hupen, ständig. Höllische Hupkaskaden, die Gehör, Verstand und jedes Gefühl abtöten. Womöglich symbolisieren Unterschiede in Huptonhöhe und -lautstärke verschiedene Kastenzugehörigkeit. Man weiss es nicht. Man kann auch nicht nachfragen, weil man vor Hupen eh kein Wort versteht. Möglich ist auch, dass in indischen Autos Hupen quasi umgekehrt verbaut sind: Sie verstummen nur, wenn man drückt.


Dass auf allen Straßen nicht pausenlos Unfälle geschehen scheint zunächst unverständlich. Doch dann wird es einem klar: die Verkehrsregelung in Indien ist ihrer Zeit voraus. In Europa werden irgendwann in der Zukunft selbstfahrende Autos permanent virtuell miteinander verbunden sein, alle Verkehrsteilnehmer werden ständig wissen wo genau sich alle anderen Verkehrsteilnehmer grade befinden und wohin sie sich bewegen. Unfälle werden so durch eine maximale Vernetzung nahezu verhindert werden. In Indien gehört das längst zum Alltag. Statt mühseligem Datenaustauch über teure Technologie funktioniert das gleiche Prinzip hier auf akustischer Ebene: durch ständiges Hupen aller. Wie bei den Fledermäusen findet so eine fortlaufende akustische Ortung des umliegenden Terrains statt. Wer nicht hupt, ist somit unsichtbar. Nicht zu hupen ist deshalb eine Fahrlässigkeit, die man sich auf Indiens Straßen nicht erlauben kann. Es sei denn man ist eine Kuh. Zum Glück ist man dann heilig.




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