Gambia - Wie mir an der „smiling coast“ das Lachen verging

“All you see in me is a potential client. How can I ever get to know you, your life, your culture? Obviously, I’m nothing but a walking wallet to you. Just because I’m white you think I’m loaded. that’s bullshit.” "Alles was du in mir siehst ist eine potenzielle Kundin. Wie kann ich dich jemals kennenlernen, dein Leben, deine Kultur? Offensichtlich bin ich nichts als eine Brieftasche auf zwei Beinen für dich. Nur weil ich weiß bin, denkst du ich schwimme im Geld. Das ist bullshit”


Künstler Mohau Modisakeng, Zeitz Museum Kapstadt

Nach zwei Monaten Afrika ist mir nun ausgerechnet in Gambia, auch bekannt als die “smiling coast”, das Lachen vergangen. Der Rastafari, der mir gerade eben noch einen Bootstrip andrehen wollte, steht sprachlos vor mir. Ich bin selbst erstaunt über meinen emotionalen Ausbruch. Was ist passiert? Ich wollte mich doch mit den Locals anfreunden, nicht anfeinden.


Auf meiner Reise durch neun afrikanische Länder habe ich eine Art von Offenheit und Gastfreundschaft erfahren, die mich nachhaltig irritiert… auf eine positive Weise. Aber ich hab auch erlebt wie es sich anfühlt, zwei Monate lang die einzige Weiße zu sein. Toubab! Ferengi!Mzungu! - das waren die Namen, die mir auf der Straße zugerufen wurden. Alles Bezeichnungen für meine weiße Hautfarbe. Eine wertvolle Erfahrung. Ich wusste nicht, wie zermürbend es sein kann, die Einzige meinesgleichen zu sein. Meine Pigmentierung hat eine unbefangene Interaktion mit den Einheimischen schwer gemacht und mich manchmal sogar regelrecht ins Aus geschossen.


Helle Haut wird außerdem oft mit einem dicken Geldbeutel assoziiert und zieht deshalb Schwärme von Verkäufern aller Art an. Abzockversuche sind an der Tagesordnung. Das Bild von der “reichen Weißen” wird von der Filmindustrie verstärkt. Denn die mehrheitlich hellhäutigen Schauspielerinnen, die in hier ausgestrahlten Filmen und Soaps spielen, haben in ihren Rollen ein privilegiertes Leben. Fiktion und Realität vermischen sich so. Für afrikanische Verhältnisse ist das Durchschnittseinkommen einer Europäerin astronomisch hoch. Aber dass die Lebenskosten ebenfalls viel höher sind, ist schwer vermittelbar und ändert nichts am utopischen Bild Europas. Immer wieder sterben junge Gambier und Senegalesen beim Versuch, nach Europa zu flüchten.



Obwohl die meisten Länder, die ich bereist habe, dabei sind einen spannenden Spagat zwischen Aufbruch und Tradition zu vollführen, verhindern unter anderem korrupte Machtstrukturen, dass junge Afrikaner ihr Potential ausschöpfen können. Sie sind ohne Perspektive. Ich habe das Glück etwas nördlicher geboren zu sein. Ich bin privilegiert, denn ich habe eine gute Schulausbildung und eine Krankenversicherung. Ich und der Rastafari - der übrigens Malcolm heisst - sind nicht gleich. Es wäre ignorant, das zu behaupten.


Die Frage, die ich mir stellen muss, an der paradiesischen Westküste Afrikas, zwischen Fischerhafen und Touristenhotel, zwischen erster und dritter Welt: Darf ich mich als privilegierte Weiße darüber beschweren, wenn ich auf meine Herkunft reduziert werde - mit all dem Wissen über die gegenwärtige Verteilungsungerechtigkeit und dem Wissen um die Geschichte, in der Millionen von Afrikanern ihre Würde, ihre Freiheit oder sogar ihr Leben verloren haben?



Auch wenn ich meine Frustration dem - wie sich später herausstellte wohl liberalsten und gastfreundlichsten brother den man in Gambia finden konnte - ins Gesicht schmetterte, war es doch gut den Dialog zu suchen und zu sagen wie ich fühlte. Es schaffte Bewusstsein und Verständnis auf beiden Seiten. Malcolm hätte mich womöglich nie nach Hause eingeladen und mich seinen Brüdern vorgestellt, wäre ich nicht ausgeflippt. Wir wären nie Freunde geworden und hätten nicht noch am selben Abend zusammen am Feuer gesessen und Songs von Bob Marley gesungen. Nur um zu merken, dass wir eben doch ähnlicher sind als wir denken.

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